Warum imkere ich?

Die Antwort ist ganz einfach: „Weil es die wunderbarste Berufung ist, die ich mir vorstellen kann!“

Das wirst du – wenn du deinen Beruf liebst – wahrscheinlich genau so beantworten, egal, ob du am Bildschirm sitzt, deinen Kunden eine tolle Frisur schneidest oder Kindern das Lesen und Schreiben beibringst. ūüėČ

Ich arbeite gern in der freien Natur und ebenso gern mit nat√ľrlichen Materialien. Das Vorbereiten von Holzbeuten freut mich als ehemalige Tischlerin. Und die direkte Arbeit an den Bienenv√∂lkern, im Freien, bei m√∂glichst gutem Wetter tut nicht nur meinem K√∂rper und meinem Immunsystem gut, sondern erfreut auch meine Psyche. Mit Bienen kann ich nur arbeiten, wenn ich ruhig bin und bestenfalls in mir ruhe. Bringe ich Sorgen, Stress oder Unruhe mit, dann zeigen „die M√§dles“ schon, dass das so nicht funktioniert. Ihr Geruchssinn ist vielfach ausgepr√§gter als der eines Hundes und sie riechen quasi, wenn ich nicht meine ganze Aufmerksamkeit ihnen widme – und gegebenenfalls bestrafen sie eine solche Missachtung. Bin ich gereizt oder gestresst, wird das von ihnen als Bedrohung interpretiert und danach handeln die W√§chterbienen dann auch. Ich bin jemand, der nicht meditieren kann, zu sehr schweifen meine Gedanken umher und lassen sich nicht ausschalten. Aber meine Damen schaffen es immer, dass ich meine Mitte finde und ganz in dem Augenblick bin, in dem ich in ihre Welt eintauche, egal ob ich eine Beute (Behausung des Bienenvolks) nun √∂ffne oder „nur“ das Flugloch beobachte.

Meine Mitarbeiterinnen, die meisten von ihnen sind weiblich, lehren mich jeden Tag, wie gut die Evolution alles gef√ľgt hat. Wenn ich „den M√§dels“ bei der Arbeit zusehe, dann kann ich noch immer staunen, wie einfach und gleichzeitig komplex der Bien (die Gesamtheit des Bienenvolks) agiert.

Bienen sind keine Haustiere, sie sind nicht domestiziert. Sie sind Wildtiere und h√§tten wir Menschen ihnen nicht die Vielfalt der Natur massiv eingeschr√§nkt, unbekannte Sch√§dlinge und Seuchen gebracht und sie durch chemische Keulen allerorts beeintr√§chtigt, so k√∂nnten sie ganz einfach ohne uns √ľberleben.

Ob sie uns Imker wahrnehmen? Wer wei√ü! Auf keinen Fall so wie ein Hund seinen Herrn oder eine Katze ihre Menschen wahrnimmt. Nat√ľrlich merken Bienen, wenn ich als Imkerin ihre Beute¬†¬† √∂ffne. Wenn ich mir vorstelle, dass jemand mein Haus auseinander nimmt, um in meinem Wohnzimmer herum zu r√ľhren, so kann ich mir nur denken, dass das f√ľr die Bienen eine mittlere Katastrophe darstellt und nicht einen ersehnten Kontakt zu einem, es mit ihnen wohlmeinenden Menschen. Deshalb halte ich die Eingriffe in meine Bienenv√∂lker auch so gering wie m√∂glich. Das meiste l√§sst sich ohnehin direkt am Flugloch beobachten und ein √Ėffnen der Beute ist nur in wenigen F√§llen wirklich unbedingt n√∂tig.

Allerdings gibt es auch die Geschichten, wenn alte Imker sterben, dass die ehemals von ihnen betreuten Bienen zu Grunde gehen. Mag es an der Unwissenheit der Erben liegen, oder daran, dass der Bienenvater (so nennt man den Imker auch) den Damen wirklich fehlt? Ich halte das f√ľr eine Romantisierung und nicht f√ľr das Pedant zu dem Bild des treuen Hundes, der am Grab des verstorbenen Herrn verhungert. Aber vielleicht steckt ja doch mehr dahinter. Seit mich im J√§nner an einem sonnigen Tag bei einem Ausflug eine meiner Bienen „mit Zunge gek√ľsst“ hat, bin ich durchaus geneigt, meinen Bienen mehr zuzugestehen, als mit Logik und Vernunft erkl√§rbar ist. ūüėČ

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